~ Akupunktur – Was ist das?
Die Akupunktur ist eine aus China stammende Therapieform, die ihre Wurzeln im System der antiken Chinesischen Medizin hat. Im Mittelpunkt dieses Medizinsystems steht die Vorstellung von einer fließenden Lebenskraft, auch Lebensenergie (Die Lebensenergie Qi) genannt, chinesisch Qi, auf deren Wirkung alle Lebensäußerungen beruhen. Auch die Funktionen innerer Organe wie Atmung, Verdauung der Nahrung, Körperabwehr oder auch Muskelbewegungen wird von der Lebensenergie beeinflusst. Ähnlich wie die Flüsse das Land durchziehen, ziehen Energiebahnen, die so genannten Meridiane, durch den Körper und versorgen ihn mit der lebensnotwendigen Lebensenergie. Auf diesen 12 paarigen und 2 unpaaren Hauptleitbahnen liegen die 361 Akupunkturpunkte, mit deren Hilfe man die Energieflüsse regulierend beeinflussen kann.
Wenn man gesund ist, fließt die Lebensenergie in Harmonie, die Funktionen der Organe sind kräftig und ungestört. Krankheiten sind nach chinesischer Vorstellung auf eine Störung im Fluss der Lebensenergie Qi zurückzuführen, entweder liegt eine Schwäche oder eine Fülle der Lebenskräfte vor. Auch Blockaden im Lebensenergiestrom können Schmerzen oder andere Gesundheitsstörungen und Krankheiten hervorrufen.

Im Mittelpunkt der chinesischen Vorstellungen über die Natur steht eine universelle Lebenskraft, auch Lebensenergie oder genau übersetzt "Lebensatem". Qi bedeutet auf Chinesisch: "Dampf und Reis" und versinnbildlicht so die Bedeutung in Bezug auf das Nährende des Atems und der Nahrungsmittel und den Zwitterzustand der Lebensenergie zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Materie und Energie.
Für die Chinesen ist Qi die allem Lebendigen innewohnende Lebenskraft der Natur. Jede Verlangsamung oder jede Hemmung des Fließens bedeutet eine Störung der Lebensvorgänge. Aus chinesischer Sicht bezieht der Mensch Qi aus der Atemluft und der Nahrung sowie aus seiner von den Eltern ererbten Lebensenergie.
Die Lebensenergie Qi fließt in Bahnen an der Oberfläche und in der Tiefe des Körpers. Diese "Qi-Kanäle" wurden von den Europäern aufgrund ihrer polaren Anordnung im Körper mit dem Meridiansystem der Erde verglichen und folglich "Meridiane" genannt. Es gibt 12 Hauptmeridiane, die nach der chinesischen Medizin bestimmten Organen bzw. Funktionen zugeordnet sind. Durch diese Meridiane fließt ununterbrochen ein gewisses Maß an Lebensenergie. Stellt sich der Mensch mit erhobenen Armen auf, verlaufen sechs Meridiane von oben nach unten, vom Himmel zur Erde: das sind die Yang-Meridiane. Sie verkörpern das männliche, aktive, expansive Prinzip. Sechs Meridiane verlaufen von unten nach oben, von der Erde zum Himmel: das sind die Yin-Meridiane, sie verkörpern das erdende, nährende, weibliche Prinzip. Dazu kommen noch zwei außerordentliche Meridiane, die an der vorderen und hinteren Mittellinie der Körpers verlaufen.
Für die chinesische Medizin sind Yin und Yang die Urpolaritäten des Lebens. Und gesundes Leben kann es nur geben, wenn sich beide Kräfte im harmonischen Gleichgewicht befinden. Mit Hilfe der Akupunktur kann die Balance im Energiefluss von Yin und Yang wiederhergestellt werden.

Der Begriff Akupunktur setzt sich zusammen aus acus = Nadel, spitz und pungere = stechen. Akupunktur ist somit die Therapie mit Nadeln.
Bei der Behandlung werden die entsprechenden Akupunkturpunkte, die entlang der Meridiane liegen, durch einen sanften Reiz mit Akupunktur-Nadeln aktiviert. Die Akupunkturpunkte stehen mit einzelnen Organen und Organbereichen in Beziehung. Durch den Reiz werden die den Akupunkturpunkten zugeordneten Organe durch Regulierung von Qi zur Selbstheilung angeregt. Bei der Akupunktur wird also nicht das erkrankte Organ direkt behandelt, sondern der Meridian bzw. Akupunkturpunkt, dem das Organ zugeordnet ist.
Für die Wirkung der Akupunktur wurden mittlerweile verschiedene Mechanismen erkannt. Hierzu gehören:
  • Die Bildung von körpereigenen morphinartigen Substanzen (Endorphinen) und Nerven-Überträger-Substanzen (Neurotransmittern). Diese Substanzen wirken schmerzlindernd und psychisch entspannend.

  • Aktivierung von Mechanismen zur Schmerzkontrolle. Reize an bestimmten Stellen hemmen die Schmerzempfindlichkeit in einem Gehirnbereich.

  • Reflexwirkung der Akupunktur. Durch Reizung von Akupunkturpunkten auf der Haut werden die diesen Punkten zugeordneten Organe beeinflusst.

  • Die Freisetzung von Wachstumshormonen fördert die Regeneration im Gewebe z.B. der Gelenke.

Die Akupunktur ist nicht nur ein rasch wirksames Mittel zur Schmerzlinderung, sie wirkt zudem entspannend auf Spannungen in der Muskulatur, aktiviert das Immunsystem und wirkt belebend auf die Muskelkraft, zum Beispiel bei Lähmungen. Auch werden mit Hilfe der Akupunktur über die Freisetzung von Wachstumshormonen die Selbstheilungskräfte des Organismus aktiviert.
Durch die Aktivierung der Lebenskräfte nimmt die Vitalität zu. Auch die Lebensfreude und die Aktivität der Patienten werden angeregt.

Vor einer jeden Behandlung mit Akupunktur stehen eine ausführliche Erhebung des Gesundheitszustandes und die Stellung einer Diagnose, sowohl einer westlich schulmedizinischen als auch einer chinesischen. Der Weg zu einer Diagnose ist in der chinesischen Medizin grundverschieden von dem Vorgehen in der heutigen westlichen Medizin. Der Arzt benutzt seine Sinne, um anhand der Symptome, den gestörten Funktionen von Organen, der äußeren Erscheinung des Patienten und der äußeren Untersuchung zur Diagnose von Störungsmustern der Lebensenergie Qi in den einzelnen Meridianen und Organen zu gelangen. Elementare Bestandteile sind etwa die Zungen- oder Pulsdiagnose, die Gesichtsdiagnose oder die Frage nach Kälte- oder Wärmeempfindungen.
Die Befunde bzw. die Symptomatik einer Funktionsstörung oder einer Erkrankung werden nach 8 klassischen diagnostischen Kategorien Hitze-Kälte, Fülle-Schwäche, Außen-Innen, und Yang-Yin analysiert. So entsteht eine Diagnose im chinesischen Sinne. Diese sollte mit der schulmedizinischen Diagnose zusammengeführt werden, wonach dann der Therapieplan erstellt wird.
Die Zungendiagnose

Wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand geben die Form der Zunge, ihre Farbe, ihre Beläge und ihre Vitalität. Daraus kann der Arzt Funktionsstörungen und Veränderungen im Körper erkennen, denn die Zunge und die inneren Organe stehen miteinander in Verbindung. Die Zungenspitze entspricht den Organen Herz und Lunge, die Zungenmitte spiegelt Milz und Magen wider, der Zungengrund zeigt die Niere, die Zungenränder entsprechen der Leber und der Gallenblase. Der Zungenbelag gibt Hinweise auf die inneren Flüssigkeiten und das Vorliegen von so genannten äußeren krankmachenden Wetterfaktoren.

Die Akupunkturbehandlung wird anhand der ausführlichen Diagnose im Therapieplan festgelegt. Im Durchschnitt werden 1-2 Akupunkturbehandlungen in der Woche durchgeführt, in Serien von 10-12 Behandlungen. Dann wird meist vor der 2. Serie eine Pause von 2-3 Wochen eingelegt. Allerdings kann Ihr individueller Therapieplan auch von diesem Vorgehen abweichen und etwa seltenere Behandlungen oder aber eine längere Behandlungsdauer beinhalten.
Wenn der Therapieverlauf oder die Schwere der Behandlung es erforderlich machen, sind weitere Behandlungsserien erforderlich. 3-4 Monate nach Abschluss der Behandlung sind in vielen Fällen z. B. bei Migräne zur Auffrischung 2-4 Akupunktursitzungen zu empfehlen, die zur Stabilisierung des Heilerfolges beitragen. Bei erneutem Auftreten der Erkrankung nach Monaten oder Jahren sollte frühzeitig mit einer erneuten Akupunkturbehandlung begonnen werden, die in der Regel deutlich kürzer ist als der erste Behandlungszyklus.
Neben der Akupunktur können auch andere Behandlungsmaßnahmen der Chinesischen Medizin, wie Qi Gong, Kräutertherapie, Ernährungsumstellung oder Moxibustion sehr hilfreich sein.


Während der Akupunktursitzung treten vielfältige Veränderungen im Körper auf. Diese lösen verschiedene Empfindungen und Gefühle aus. Der Arzt wird die Therapie beginnen indem er Sie ruhig und entspannt lagert, d. h. meist hinlegen lässt. Beim Einstich der Nadeln entsteht eine leichte elektrisierende Empfindung, die nach kurzer Zeit in der Regel verschwindet. Während der Liegezeit der Nadeln empfindet man ein dumpfes Gefühl, das mit der Nadelwirkung gekoppelt ist und "De Qi" genannt wird. Nach einigen Minuten lässt dieses Gefühl wieder nach. Dieses "Nadelgefühl" kann unterschiedlich stark empfunden werden.
Nachdem die Nadeln für einige Minuten liegen, entspannt sich der Körper. Arme und Beine fühlen sich oft schwerer an. Es tritt ein Gefühl stärkerer körperlicher Präsenz auf. Häufig beginnt man, die Bewegung der Lebensenergie im Körper in Form eines Gefühls des sanften Fließens wahrzunehmen. Man verspürt ein leichtes Strömen der Lebensenergie vom Kopf über den Brustkorb, Bauchraum, Becken in die Beine und schließlich in die Füße oder seltener aufsteigend von den Füßen nach oben.
Wenn Spannungen sich lösen, können körperliche Empfindungen wie Zittern, Kribbeln, Wärmegefühle auftreten. Diese Empfindungen und Gefühle sind Ausdruck der Klärung von Spannungen und Blockaden, die oft der Krankheit zugrunde liegen.

Während der Akupunktur richtet man die Aufmerksamkeit nach innen - nicht auf ein einzelnes Teilgebiet des Körpers, sondern beobachtet den Gesamtfluss. Gedanken können während der Akupunktur immer wieder aufkommen, man sollte nicht über deren Inhalte nachdenken, sich auch nicht auf bestimmte Gedankeninhalte konzentrieren, sondern die Gedanken wie einen Film vorbeiziehen lassen.
Immer wieder entspannt man sich während des Liegens der Akupunkturnadeln, indem man sich fallen lässt und nichts mehr "festhält".
Auch eine tiefe ruhige Atmung, in den Brustkorb hinein, mit einer längeren Phase der Ausatmung, bei der man Spannung loslässt, kann von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg sein. Die tiefe Atmung bringt vermehrt Sauerstoff und damit vermehrte Energie in den Körper. Die verlängerte Ausatmung löst Spannungen und führt zu einer Verbesserung des Energieflusses im Körper.

Bei richtiger Anwendung ist die Akupunktur praktisch nebenwirkungsfrei. In seltenen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Kreislaufreaktion kommen, die durch Entfernen der Nadel behebbar ist. Auch kann es vorkommen, dass an einigen Punkten, die genadelt wurden ein kleiner Bluterguss entsteht.
Übrigens hat sich in den Studien der gesetzlichen Krankenkassen gezeigt, dass die Häufigkeit von Nebenwirkungen mit zunehmender Erfahrung des Akupunkturtherapeuten abnimmt!

Akupunktur kann bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt werden - nicht nur bei Schmerzen. Dies sind die wichtigsten, und in der Praxis häufigsten Anwendungsgebiete der Akupunktur:
  1. Erkrankungen des Bewegungsapparates
    • Rückenschmerzen (LWS-, BWS- und HWS-Syndrom)
    • Gelenkschmerzen in Knien, Hüften, Schulter, Ellbogen
    • Osteoarthritis kleiner Gelenke
    • Rheuma
    • Tennisellbogen
  2. Migräne und Kopfschmerzen
  3. Neurologische Erkrankungen wie
    • Trigeminusneuralgie
    • Lähmungen, z. B. bei Fazialisparese
    • Polyneuropathie
  4. Allergien und Asthma
  5. Suchterkrankungen (Nikotin, Alkohol, Heroin, Kokain)
  6. Schlaganfall-Rehabilitation
  7. Depression und Angststörungen
  8. Schwächestörungen, Erschöpfungszustände bzw. Burn out
  9. Chronische Bronchitis oder Sinusitis
  10. Magen-Darm-Erkrankungen und Verdauungsstörungen (z. B. Reizdarm)
  11. Gynäkologische Indikationen, wie
    • Regelstörungen und Dysmenorrhö
    • Störungen in den Wechseljahren
    • Chronische Entzündungen
    • Fruchtbarkeitsstörungen
    • Geburtsvorbereitung mit Verkürzung der Geburtsdauer,
    • Geburtserleichterung durch Schmerzlinderung während der Geburt
    • Schwangerschaftsübelkeit und Flüssigkeitseinlagerungen während der Schwangerschaft
  12. Tinnitus und Schwindel
  13. Hauterkrankungen wie
    • Akne
    • Ekzeme
    • Psoriasis
  14. Bei Krebsleiden zur Schmerzlinderung und Aktivierung der geschwächten Körperkräfte

Die Akupunktur ist eine Behandlungsmaßnahme innerhalb einer ganzen Reihe von therapeutischen Interventionen im Bereich der Chinesischen Medizin. Der Therapieplan kann neben der Akupunktur noch weitere therapeutische Maßnahmen vorsehen, wie etwa Qi Gong, Ernährungsempfehlungen, Moxibustion oder Akupressur.

Qi Gong ist der Name für prophylaktische Methoden, in der mit spezifischen Übungen die Lebensenergie angeregt wird. Der Übende leitet mit dem Atem Qi durch seinen Körper und löst dadurch Blockaden. Qi Gong reguliert die Atmung, das Nervensystem, den Kreislauf und den Stoffwechsel, es stärkt das Immunsystem, fördert die Konzentration, die Erinnerungskraft und die Lernfähigkeit. Geeignet ist es für jedes Lebensalter. Kinder werden durch Qi Gong ruhiger und selbstbewusster, älteren Menschen gibt es mehr Spannkraft und Vitalität.

In der chinesischen Ernährungsmedizin lassen sich viele Störungsmuster durch die aufgenommene Nahrung beeinflussen. Jedes einzelne Nahrungsmittel ist durch seine charakteristischen Eigenschaften einer Kategorie zugeordnet, z.B. wärmend, kühlend oder befeuchtend, die Auskunft gibt über die zu erwartende Wirkung in unserem Körper. Durch individuelle Gestaltung des Speiseplans lassen sich so viele Störungen direkt beeinflussen.

Die Moxibustion ist das Anwärmen von Akupunkturpunkten durch Abbrennen von getrockneten Blättern des Beifuß. Die Blätter der Pflanze werden getrocknet, gereinigt und zu einem watteartigen Pulver verarbeitet. Die Hauptanwendungsgebiete der Moxibustion sind Erkrankungen von chronischem Charakter, z. B. chronische Bronchitis, chronisches Asthma, Depressionen, Schwächezustände nach chronischen Erkrankungen, chronische Diarrhö sowie Erschöpfungsreaktionen.

Die Tuina ist die chinesische Form der Akupressur. Durch gezielte Massage an Akupunkturpunkten wird eine Heilwirkung bei mittelschweren Störungen und Erkrankungen erreicht. Das Hauptanwendungsgebiet der Akupressur ist die Behandlung von leichten und mittelschweren Schmerzzuständen wie Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen, Nacken-, Kreuz- und Schulterschmerzen. Auch psychosomatische Störungen lassen sich ebenfalls positiv beeinflussen, wie z. B. Nervosität, innere Unruhe, Schlafstörungen, Menstruationsstörungen aber auch Übelkeit!