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Ärztliche Leistungen werden seitens der Krankenkassen nach dem so genannten Einheitlichen Bewertungsmaßstab – EBM – bewertet. Diese Bewertung gibt es jetzt auch für die Akupunktur – eine Entscheidung, die von akupunktierenden Ärzten mit Entsetzen aufgenommen wird. Bleibt die Frage, welcher Arzt zu diesen Konditionen mit Akupunktur therapieren wird? Und wenn überhaupt, mit welcher Akupunktur?

Ärztliche Leistungen werden von den Krankenkassen erstattet. Die Honorierung folgt dabei der Festlegung von Punktezahlen in dem so genannten Einheitlichen Bewertungsmaßstab. Die Punktezahlen werden dann mit einem bestimmten Geldbetrag multipliziert. Derzeit ist ein Punkt etwa 3 bis 4 Cent wert. Nun hat der zuständige Bewertungsausschuss vereinbart, welche Leistungen mit welcher Punktzahl für die Akupunktur im EBM zur Verfügung stehen sollen. So wird für die Eingangs- und Abschlussuntersuchung Ziffer 30790 mit 1060 Punkten zur Verfügung stehen, für die Körperakupunktur pro Sitzung die Ziffer 30791 mit 480 Punkten.“ Im Klartext bedeuten 480 Punkte derzeit etwa 14,40 bis maximal 19,20 Euro. Das liegt nach Einschätzung von Experten deutlich unter der Wirtschaftlichkeitsgrenze.

Dr. Antonius Pollmann, Vorsitzender des Berufsverbands deutscher Akupunkturärzte meint dazu in der Ärzte Zeitung vom 19. Juli: „Die Vergütung im derzeitigen Modellprojekt der Krankenkassen liegt bereits nahe der Wirtschaftlichkeitsgrenze. Pro Akupunktursitzung werden zwischen 25 Euro (AOK) und 35,79 Euro (Barmer) erstattet. Patienten zahlen bis zu 10,23 Euro dazu“.

Für Dr. Antonius Pollmann ist der zwischen Ärzten und Kassen gefundene Kompromiss zur Akupunktur bei chronischen Rücken- oder Knieschmerzen nicht akzeptabel. "Es kann doch nicht angehen, dass Akupunkturleistungen beim Heilpraktiker, an den es weder Qualitätsanforderungen noch Dokumentationserwartungen gibt …weit höher vergütet werden als die Akupunktur beim Arzt", erregt sich der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Akupunkturärzte in einer Stellungnahme.

Pollmanns Fazit: Mit der derzeit vorgesehen Vergütung für die ärztliche Akupunktur bei chronischen Knie- und Rückenschmerzen könne keine seriöse Leistung erwartet werden. Schließlich decke die geplante Vergütung der Akupunktur nicht einmal die Selbstkosten.

Was sind die Folgen für die Patienten? Wenn die Bewertung für die Akupunktur so bestehen bleibt, werden sich Ärzte aus Wirtschaftlichkeitsgründen immer öfter fragen müssen: „Kann ich mir heute noch eine Akupunktursitzung leisten?“. Immer weniger Ärzte werden sich fachlich weiter qualifizieren. Die Qualität der erbrachten Akupunkturleistungen wird folglich sinken – die Wirksamkeit wird abnehmen – die Patienten werden schlechter versorgt.

Hierzu Dr. Gabriel Stux von der Deutschen Akupunktur Gesellschaft: „Bei der jetzt vorgesehenen Honorierung, voraussichtlich um 30 bis 60 % des bisherigen Niveaus ist schon vorprogrammiert dass die Qualität der Akupunktur sinken wird: Westliche symptomatische Akupunktur am Fließband, d. h. einfachstes Nadelstechen wird die Folge sein. Chinesische Akupunktur nach den Regeln der Kunst voraussichtlich wohl nicht mehr.“

Eine Zukunft, die eine so wirksame Therapiemethode schlichtweg nicht verdient. Erinnern wir uns doch an die Ergebnisse der großen Therapiestudien mit Akupunktur, die die deutschen Krankenversicherungen durchgeführt haben. Das Ergebnis überraschte alle Kritiker: Schwarz auf weiß hat die Akupunktur bei Knie- und Rückenschmerzen gezeigt, dass sie in der Wirksamkeit erheblich besser war als die herkömmliche Standardtherapie mit Tabletten und Krankengymnastik! Und diese wirksame Therapieform soll jetzt den Patienten verwehrt werden? Ein Paradoxon, das für einen normal denkenden Menschen kaum nachvollziehbar ist.