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In den weltweit größten medizinischen Studien zur Akupunktur konnte die Wirksamkeit bei verschiedensten Krankheitsbildern eindrucksvoll belegt werden. Nun wird über eine Aufnahme der Akupunktur in den Leistungskatalog der Krankenkassen nachgedacht. Experten betonen aber, dass der Sparzwang bei den Kassen nicht zu einer Fließbandakupunktur führen darf, deren Effekt nicht mit dem von qualitativ hochwertiger Akupunktur mithalten könne.

Eindeutige Zahlen belegen nun auch für bisherige Akupunkturkritiker, was insbesondere in China schon seit langer Zeit anerkannt ist: Die Jahrtausende alte medizinische Technik des Nadelstechens ist bei zahlreichen Krankheiten tatsächlich wirksam und teilweise sogar deutlich effektiver als die westliche Schulmedizin. Beweisen konnten dies die Gerac- (German Acupuncture Trials-) und die ART-Studie (Acupuncture Randomized Trials) – mit knapp einer Million Patienten bei 12.000 Ärzten die bislang weltweit umfangreichsten wissenschaftlichen Akupunkturstudien überhaupt.
So zeigt sich in der Gerac-Studie, dass Akupunktur auf die Schmerzlinderung bei Kreuzschmerzen doppelt so gut wirkt wie die westliche Standardtherapie mit Medikamenten und Krankengymnastik. Noch deutlicher ist das Ergebnis bei Patienten mit einer Kniegelenkarthrose. Hier trägt die Akupunktur dreifach so gut zu schmerzlindernder Wirkung und besserer Beweglichkeit des Gelenks bei als die Standardtherapie – wobei letztere zum Teil auch noch mit stark nebenwirkungsbelasteten Medikamenten durchgeführt werden muss.
Auch in einer Begleituntersuchung zur ART-Studie wurden mehrere Krankheitsbilder unter Akupunktur beobachtet, darunter verschiedene Schmerzerkrankungen aber auch Asthma und Allergien. Besserung trat je nach Krankheitsbild bei 73-90% der akupunktierten Patienten ein und hielt auch 6 Monate nach Behandlung noch an.
Vor diesem Hintergrund wird erwartet, dass der Bundesausschuss „Ärzte und Krankenkassen“, der 2001 den gesetzlichen Krankenkassen verboten hatte, für Akupunktur zu bezahlen, diese Entscheidung im kommenden Dezember revidieren wird. Auch über die Aufnahme der Akupunktur in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen wird nun laut nachgedacht. Ob Letzteres für die Entwicklung der Akupunktur als effektive und nebenwirkungsarme Therapieform in Deutschland tatsächlich von Vorteil sein wird, darüber bestehen allerdings Zweifel. Denn während Private Krankenkassen heute 45 Euro für eine Akupunktur zahlen, wird laut Experten unter der Hand von gerade einmal zehn Euro für die zukünftige gesetzliche Kassenleistung gesprochen.
Bei den großen deutschen Akupunkturgesellschaften ist man sich einig, dass dies der Qualität der Akupunktur großen Schaden zufügen würde. Dr. Helmut Rüdiger von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur äußerte in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, die Befürchtung, dass für einen solchen Betrag niemand mehr sorgfältig untersuchen würde und es zu einer Art von Fließbandakupunktur kommen könnte. Rüdinger empfiehlt deshalb, die Qualität der Akupunktur beispielsweise über ein Qualitätssiegel zu sichern. Ähnlich sieht das Dr. Gabriel Stux, Vorsitzender der Deutschen Akupunktur Gesellschaft. Er verweist auf Studien, in denen gezeigt wurde, dass die Wirksamkeit von Akupunktur nicht nur vom einfachen Nadelstechen abhängt: Der Ausbildungsstand und die Erfahrung des Akupunkturarztes spielen bei der Wirkung ebenso eine große Rolle wie weitere Modalitäten der Behandlung. Zu denen gehört unter anderem die kontinuierliche Anpassung der Therapie an laufende Veränderungen des Gesundheitszustandes. Auch Dr. Stux sieht in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, über ein Qualitätssiegel, wie beispielsweise das der Qualitätsinitiative Akupunktur, wirksame Akupunktur noch deutlicher kenntlich zu machen.