~ Qualitätsakupunktur

Dass die Akupunktur wirkt, ist mittlerweile sowohl unter Ärzten als auch unter Patienten hinreichend bekannt. Große Studien der Krankenkassen haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Akupunktur als Behandlungsmethode für eine Vielzahl an Erkrankungen angewendet wird. Dennoch hängt der Behandlungserfolg der Akupunktur wesentlich von der Qualität des Therapeuten und der durchgeführten Akupunktur-Behandlung ab. Die Qualitätsinitiative Akupunktur setzt sich daher für eine qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildung der Therapeuten und für die umfassende Information der Patienten ein, damit auch zukünftig ein hoher Therapiestandard der Akupunktur in Deutschland gewährleistet ist.


Nur eine qualitativ hochwertige Akupunktur nach allen Regeln der Kunst ermöglicht eine bestmögliche Therapie. Gemäß dem Konsensuspapier zur Qualität in der Akupunktur der Qualitätsinitiative Akupunktur stehen dabei u. a. die Chinesische Diagnose, die Regulierung des Qi, der Therapieplan und spezifische Behandlungsmodalitäten im Vordergrund. Nicht zuletzt steht die für die Akupunktur so wichtige Betrachtung der Lebensenergie, des fließenden und Veränderungen hervorbringenden Qi, eigentlich im Widerspruch zu starren und unveränderlichen Maßstäben.

Bei der großen Zahl von Kriterien, die für eine qualitativ hochwertige Akupunktur wichtig sind, ist es nicht leicht, eindeutige Leitlinien zu erlassen. Der alleinige Nachweis von einer bestimmten Zahl an Ausbildungsstunden erscheint nicht ausreichend. Deswegen ist es bei mittlerweile ca 30.000 Akupunkturärzten in Deutschland gerade für die Patienten wichtig, dass sie die Qualität einer Akupunktur einschätzen können.
Darum hat die Aktion "Qualitätsinitiative Akupunktur" ein Qualitätssiegel geschaffen, das an jene Akupunktur-Ärzte vergeben wird, deren Ausbildung und Wissen den in den Leitlinien und Standards für eine Qualitätsakupunktur genannten Ansprüchen genügen. Mit diesem Qualitätssiegel können Ärzte signalisieren, dass ihre Akupunktur mehr ist als nur einfaches "Nadelsetzen am Fließband" und damit ihren Patienten zeigen, dass sie sich in erfahrene und kompetente Hände begeben.

Die Grundlage für das Qualitätssiegel sind Leitlinien und Therapiestandards, die von der Qualitätsinitiative Akupunktur formuliert wurden. Diese finden sich in dem folgenden Konsensuspapier als "7 Punkte für eine Qualitätsakupunktur".

7 Punkte für eine Qualitätsakupunktur:
Akupunktur nach allen Regeln der Kunst
  1. Zu einer qualitativ hochwertigen Akupunktur gehört als erster Schritt eine schulmedizinische und eine akupunkturadäquate, chinesische Diagnose. Letztere beinhaltet spezifische Diagnoseformen, wie zum Beispiel die Diagnose von Störungen der Leitbahnen, Differenzialdiagnose der inneren Störungsmuster, Erhebung der Kälte- bzw. Wärmeempfindlichkeiten, Zungendiagnostik, Berücksichtigung der fünf Konstitutionstypen u. a.

  2. Im Mittelpunkt der Therapie stehen die Regulierung der Lebenskraft Qi, die Lebensenergie des Patienten, und deren Störungen.

  3. Die Formulierung eines Therapieplans mit primären und sekundären Therapiestrategien ist die Grundlage der Behandlung. Diese Therapiestrategien beinhalten die therapeutischen Absichten. Der Therapieplan wird je nach Änderung des Symptombilds während der Behandlung angepasst.

  4. Behandlungsmodalitäten: Angewendet werden sollten die Körperakupunktur und die Ohrakupunktur, bei einer exakten Spezifizierung der Punkte unter Berücksichtigung der optimalen Punktekombinationen, der Dauer der Behandlung, der gleichmäßigen Verteilung der Punkte an Kopf, Händen, Füßen und Rumpf. Zusätzliche Behandlungsmaßnahmen werden durchgeführt, wenn angezeigt, wie etwa Moxen, Elektrostimulation, Heilkräuter bzw. Ernährungsmedizin.

  5. Akupunkturanwendungen meist zweimal wöchentlich, in Serien von etwa zehn Behandlungen mit qualitativ hochwertigen Akupunkturnadeln:

    • Durchführung von etwa 10-20 Sitzungen, d. h. ein bis zwei Serien bei chronischen Erkrankungen, in schweren Fällen drei Serien.

    • Verweildauer der Nadeln durchschnittlich 20-30 Minuten

    • Unbedingt zu beachten sind während der Behandlung die Atmungstiefe und die Entspannung des Patienten, daher eignen sich für die Akupunktur ruhige, warme, abgeschlossene Räume.

    Die hier angegebenen Spezifikationen sind Durchschnittswerte, die bei einzelnen Patienten bzw. Krankheitsbildern individuell angepasst werden müssen. Es gibt keine Standardakupunktur bei bestimmten westlichen Diagnosen.

  6. Bei der Akupunktur ist das exakte Aufsuchen von lokalen druckempfindlichen Punkten, die Nadelung mit beruhigender oder anregender Nadelstimulation, die Nadelstimulation mit Hervorrufen eines akupunkturspezifischen De-Qi-Gefühls, eventueller Elektrostimulation, sowie die adäquate Stichtiefe zu beachten.

  7. Die Information des Patienten über die Diagnose und den Therapieplan sind essentielle Voraussetzungen für die Akupunkturbehandlung, gerade auch bei der Durchführung von zusätzlichen Therapiemaßnahmen wie Qi Gong, Tai Qi oder einer Umstellung der Ernährung oder Heilkräuteranwendung.


Westlich angewendete Akupunktur, wie etwa auch in den großen Akupunktur-Modellstudien der Krankenkassen (Ergebnisse der Krankenkassen-Studien), hat eine klinische Wirksamkeit von 50-70%.
Die Chinesische Akupunktur, durchgeführt nach allen Regeln der Kunst (Was ist Qualität in der Akupunktur), ist nach Expertenmeinung mit 60-80% klinischer Wirksamkeit noch deutlich besser wirksam, als die in den Krankenkassen-Studien (Gerac-Studie) getesteten westlichen Akupunkturformen und folglich fast dreimal so wirksam wie eine westliche Standardtherapie. Aus diesen Gründen ist es so wichtig, dass eine Akupunktur-Behandlung nach allen Regeln der Kunst und den höchsten Qualitätsstandards erfolgt.
Eine Sham-Akupunktur mit Nadeleinstich hat eine deutlich über Plazebo liegende therapeutische Wirksamkeit von 33-50%, bei Plazeboanwendung geht man von einer Wirkung von deutlich unter 30% aus.

Da das therapeutische Vorgehen bei einer qualitativ guten Akupunktur die Lebensenergie des Menschen anregt und auch die tieferen Organebenen einbezieht, fühlen sich die Patienten selbst Wochen und Monate nach der Akupunktur viel besser, vitaler, aktiver und weniger eingeschränkt in ihrer Leistungsfähigkeit. Das Lebensgefühl wird meist durch die Aktivierung des Flusses der Lebenskräfte deutlich verbessert. Bedrückte Stimmungen wandeln sich oft in Aktivität und in Lebensfreude.
Bei der Akupunktur kommt es aber nicht nur auf das spezifische Stechen der Nadeln an. Viele weitere Faktoren der Therapie sind an der nachhaltigen Wirksamkeit der Akupunktur beteiligt. Die Akupunktur nach allen Regeln der Kunst verläuft schrittweise und beinhaltet weitere Faktoren (siehe auch "Was ist Qualität in der Akupunktur?"):
  1. Bei der Chinesischen Akupunktur analysiert und beurteilt man im ersten Schritt, also beim Stellen einer Chinesischen Diagnose, die Lebenskräfte des Patienten und deren Störungen. Die Chinesische Diagnose ist immer ein integraler Teil der Therapie, im Gegensatz zum Diagnoseverständnis in der westlichen Medizin wo sie von der Therapie deutlich getrennt wird.

  2. Aus der Chinesischen Diagnose folgt die therapeutische Absicht, die Therapiestrategie in Form eines differenzierten Therapieplans, der neben der Auswahl optimaler Punktekombinationen auch Heilkräuter, Qi Gong und Tuina (chinesische Massagen) einschließen kann. Die Zielsetzung der Therapie ist für die nachhaltige Wirksamkeit von entscheidendem Wert.

  3. Die Art und Weise der Nadelung und der Stimulation der Nadeln, stimulierend oder beruhigend, mit deutlich provoziertem Nadelgefühl, dem De Qi, wird von Experten als essentieller Bestandteil einer wirkungsvollen Akupunktur angesehen.

  4. Wesentlich ist auch, dass sich der Patient nach dem Setzen der Nadeln, also während der Liegezeit, entspannt und mit seinen Empfindungen nach innen geht. Der Fokus der Aufmerksamkeit sollte von der Außenwelt nach Innen zu seinen Gefühlen und inneren Empfindungen gerichtet sein. Dies setzt ruhige Räume voraus, offene Kabinen sind unangebracht.

  5. Auch die Länge der Liegezeit von 20-30 Minuten ist entscheidend für die Wirksamkeit der Therapie.

  6. Die ausreichende Anzahl von Sitzungen sowie eine adäquate Behandlungshäufigkeit meist von 2 Sitzungen in der Woche, die von der Schwere und Chronizität der Erkrankung und der Art des Störungsmusters abhängt, ist wesentlich für die Nachhaltigkeit der Wirksamkeit.

  7. Auch die individuelle Reaktionsfähigkeit des Patienten, die vom Konstitutionstyp abhängt, ist essentiell für die therapeutische Wirksamkeit. Patienten, die sich leicht entspannen können oder gute Fähigkeiten zur Einkehr in sich selbst zeigen, brauchen z. B. deutlich weniger Sitzungen für eine nachhaltige Therapiewirkung.

Akupunktur-Ärzte können sich über mehrere Stufen fortbilden. Das A-Diplom ist sozusagen eine Grundausbildung für die Akupunktur und umfasst 140 Fortbildungsstunden. Etwa zwei Drittel hiervon sind theoretische Unterrichtseinheiten, ein Drittel praktische Übungen. Dieses A-Diplom befähigt Ärzte, eine Akupunkturbehandlung durchzuführen, aber - wie die Bezeichnung "Grundlagenkurs" bereits andeutet - mehr als die wesentlichen Grundzüge der Akupunktur können in dieser Zeit nicht erlernt werden.

Die so genannte Vollausbildung umfasst 350 Stunden, mit einem wesentlich höheren Praxisteil. In der Vollausbildung - auch B-Diplom - wird umfangreiches Wissen auch zur Stellung einer Chinesischen Diagnose, der Erkennung von komplexen Störungsmustern und der Erstellung einer Therapiestrategie auf der Grundlage der Kenntnisse der Chinesischen Medizin vermittelt. Die Vollausbildung und eine mindestens zweijährige Praxiserfahrung bilden die Basis für eine qualitativ hochwertige Akupunkturbehandlung.

Beim Ärztetag 2003 wurde auf Initiative der Bundesärztekammer eine neue Berufsordnung verabschiedet, die auch eine Zusatzbezeichnung Akupunktur vorsieht. Diese Akupunkturfortbildung beinhaltet zukünftig 200 Stunden, die sich weitgehend an die bisherige 140-Stunden-Grundausbildung anlehnt. Ergänzt wird die bisherige Grundausbildung mit weiteren 60 Stunden Praxisanteil mit Fallbesprechungen und praktischen Akupunkturbehandlungen. Da die Zusatzbezeichnung Akupunktur von den einzelnen Landesärztekammern noch verabschiedet werden muss, wird sie erst im Verlauf des Jahres 2006 in Kraft treten. Zukünftig wird sie die Grundausbildung Akupunktur, also das A-Diplom ersetzen.

Die Vollausbildung Akupunktur mit 350 Fortbildungsstunden wird auch zukünftig für die Ausübung einer Chinesischen Akupunktur, bzw. der Chinesischen Diagnose notwendig sein.

Es wurden in den vergangenen Jahren 2 große kontrollierte Modellstudien der Krankenkassen durchgeführt: die Gerac-Studie (www.gerac.de), und die ART-Studie.
Bei der ART- und der Gerac-Studie wurden Patienten mit chronischen Kopfschmerzen, chronischen LWS-Schmerzen und chronische Schmerzen bei Arthrose, die länger als sechs Monate bestehen, behandelt. Die Studien sollten Aufschluss geben darüber, ob die Akupunkturbehandlung eine wirksame und sichere Therapie bei diesen Indikationen ist und ob unterschiedliche, anerkannte Akupunkturformen hinsichtlich der Stärke des Behandlungseffektes verschieden sind.
Rund 13.000 Ärzte haben in den vergangenen vier Jahren an Gerac teilgenommen und über 360.000 Patienten mit Akupunktur behandelt. Das wichtigste Ergebnis: Akupunktur hilft dauerhaft bei vielen Volksleiden - von Allergien bis zu Wirbelsäulenschmerzen. Akupunktur ist in der klinischen Anwendungspraxis bei Knie- und Rückenschmerzen doppelt so wirksam wie eine westliche Standardtherapie.
Hier ein kurzer Auszug aus einer Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse:
"Ihre Wirksamkeit hat die Akupunktur bei insgesamt sieben Diagnosen unter Beweis gestellt. Dabei wurde jeweils eine Akupunktur-Gruppe mit einer Vergleichsgruppe ohne Akupunktur (Wartegruppe) verglichen.
Das Ergebnis: Neun von zehn Allergikern ging es auch sechs Monate nach der Behandlung noch deutlich besser, drei von vier Patienten mit Kopf- oder Lendenwirbelsäulenschmerzen zeigten ebenfalls nach diesem Zeitraum noch Besserung. Noch höher lag die Rate bei Arthroseschmerzen am Knie (85 Prozent), Asthma (82 Prozent) und Menstruationsschmerzen (85 Prozent). Nebenwirkungen traten nur selten auf und waren bei keinem Patienten lebensbedrohlich."
Weitere Studien untersuchten andere Aspekte der Akupunkturanwendung, z. B. Nebenwirkungen oder Kosten:
  • ARC: Acupuncture in Routine Care Studies mit 50.168 Patienten, war eine Studie zum Vergleich der Behandlung ("Routineversorgung") mit oder ohne Akupunktur. ARC zeigte eine deutliche und nachhaltige Verbesserung bei Patienten mit Routineversorgung inkl. Akupunktur gegenüber alleiniger Routineversorgung.

  • ASH: Acupuncture Safety and Health Economics Studies mit 145.519 Patienten. Diese Studie untersuchte die Therapiesicherheit und die Wirtschaftlichkeit von Akupunktur. Insgesamt berichteten nur 8,1% der Patienten über geringfügige Nebenwirkungen, am häufigsten waren Blutungen oder Blutergüsse an der Einstichstelle.

Der Begriff der Egal-wohin-Akupunktur - auch EWA - entstand durch Fehlbewertungen nach dem Bekanntwerden der ersten Ergebnisse der großen Krankenkassenstudien in Deutschland (ART und Gerac). In diesen Studien wurde die Wirksamkeit von "richtiger Akupunktur" mit einer Schein-Akupunktur bzw. einer nicht behandelten Wartegruppe verglichen. Bei dieser Schein-Akupunktur (engl. Sham-Akupunktur) werden Nadeln an Punkten des Körpers eingestochen, die keine klassischen Akupunkturpunkte sind. Die Ergebnisse zeigten eindeutig, dass die "richtige" Akupunktur am wirksamsten war, aber die so genannte Schein-Akupunktur in den Krankenkassen-Studien überraschend wirksam war. Die Schnellschuss-Interpretation der Medien lautete daher: "Bei der Akupunktur scheint es egal zu sein, wohin man sticht - sie wirkt auch dann."
Akupunktur-Experten beleuchteten diese Fragestellung genauer und zeigten auf, dass die erstaunlich hohe Wirksamkeitsrate der Sham-Akupunktur bei den großen Krankenkassen-Studien auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist. (siehe Wirksamkeitsunterschiede von Akupunkturtherapien).

Der Begriff "Placebo" stammt aus der klassischen Forschung mit Arzneimitteln. Diese müssen teilweise gegen ein Placebo getestet werden, um die tatsächliche Wirksamkeit und die Verträglichkeit des Arzneimittels herauszufinden. Ein Placebo muss genauso aussehen und die gleichen äußeren Eigenschaften haben, wie das Studienmedikament - aber darf eben keine Wirksubstanz enthalten.
Und eben genau das geht bei der Akupunktur nicht. Entweder es wird eine Nadel eingestochen oder eben nicht - das merkt der Patient recht deutlich. In den großen Krankenkassen-Studien wurde in der Sham-Gruppe daher versucht, Punktekombinationen vorzugeben, die nicht den klassischen Akupunkturpunkten entsprachen.
Was allerdings bei der Studienplanung nicht bedacht wurde, ist, dass die genadelten Punkte für die eigentlich als unwirksam geplanten Sham-Akupunktur nach Meinung der erfahrenen Akupunkturexperten Heinke und Stör teilweise wirksame Punkten und zwar spezifische Segmentpunkte und auch Punkte des im Westen wenig bekannten Tendinomuskulären Meridians sind.
Des Weiteren ist festzuhalten, dass die Chinesische Diagnose im Gegensatz zum Diagnoseverständnis in der westlichen Medizin nicht nur vor der Therapie steht, sondern immer Teil derselben ist. Auch wenn diese Diagnose bei der Nicht-Akupunkturbehandlung durchgeführt wird, ist diese schon keine echte Plazebotherapie mehr.
Die Schwierigkeiten eines Nachweises von einem deutlichen Unterschied zwischen echter also Verum- und Sham-Akupunktur, die jetzt in beiden großen Krankenkassenstudien zutage trat, wurde bereits 1986 von Prof. Bruce Pomeranz ausführlich wissenschaftlich diskutiert. Der Einstich von Nadeln auch an "beliebigen Punkten" hat nach Pomeranz durch unspezifische Ausschüttung von Schmerz-Botenstoffen (Endorphinen) eine deutlich über Plazebo liegende therapeutische Wirksamkeit von 33-50%, während die "echte" Akupunktur je nach Anwendungsqualität 60-80% Wirksamkeit zeigt.

Eine echte Nichtwirksamkeit von Akupunktur im Sinne einer Placebo-Akupunktur ist daher bei Nadeleinstich schwerlich zu erreichen.

In den großen Krankenkassen-Studien gab es teilweise keine auffallend großen Wirksamkeitsunterschiede zwischen der vorgetäuschten Sham-Akupunktur und der richtigen Akupunktur (Verum-Gruppe). Das liegt wahrscheinlich unter anderem an folgenden Ursachen:
  • Die teilnehmenden Akupunktur-Ärzte waren angehalten, bei den drei vorbestimmten Krankheitsbildern einheitliche Punktekombinationen einzusetzen, wenn der Patient mit Akupunktur behandelt wurde. Diese starren, rezeptartigen Schemata, bei "westlichen Diagnosen" eine bestimmte gleich bleibende Punktekombination einzusetzen, gibt es bei einer qualitativ hochwertigen Akupunkturbehandlung nicht. Diese setzt immer eine chinesische Diagnose voraus und einen individuellen Therapieplan. → Die Wirksamkeit der "richtigen Akupunktur" in den Studien war wahrscheinlich niedriger als bei qualitativ hochwertigen Akupunkturen zu erwarten.
  • Der Anteil von 54% Orthopäden an den beteiligten Ärzten in der Gerac-Studie ist erstaunlich hoch - die Mehrzahl dieser Ärzte verfügte nur über eine Akupunktur-Grundausbildung (A-Diplom). Bemerkenswert ist, dass "eine differenzierte Syndromdiagnostik mit der daraus resultierenden Punkteauswahl eine der Vorgaben für die Studie" war. .... "Da aber viele Prüfärzte nur über eine Grundausbildung (A-Diplom) verfügen" ...konnten nur sehr wenige Ärzte eine chinesische Akupunktur mit Syndromdiagnose anwenden. → Die Wirksamkeit der "richtigen Akupunktur" war wahrscheinlich niedriger als bei qualitativ hochwertigen Akupunkturen zu erwarten.
  • Eine Forderung der Gerac-Studie lautete: "Die einzuschließenden Patienten dürfen nicht ausschließlich Akupunktur als Therapieform wünschen, sie sollten sich vielmehr in erster Linie wegen der Behandlung ihrer chronischen Schmerzen … an Sie wenden und offen für Ihr Behandlungskonzept sein. Falls Sie also vorwiegend Patienten in Ihrer Praxis betreuen, die wegen ihrer Beschwerden eine Akupunkturbehandlung wünschen, kommt eine Teilnahme Ihrer Praxis vermutlich nicht infrage." Diese Forderung - so verständlich sie aus Sicht der Studienplanung auch ist - dürfte erheblich dazu beigetragen haben, dass nicht in erster Linie die qualitativ erstrangig ausgebildeten Akupunkteure, sondern die Praxen mit hohem Durchlauf (es sollten mindestens voraussichtlich 15 Patienten innerhalb eines Jahres eingeschlossen werden), die nebenbei auch etwas Akupunktur anbieten - beteiligt wurden. → Die Wirksamkeit der "richtigen Akupunktur" war wahrscheinlich niedriger als bei qualitativ hochwertigen Akupunkturen zu erwarten.
  • Die Sham-Punktekombinationen der Gerac-Studie enthielten nach den Experten Heinke und Stör viele wirksame Punkte: und zwar neben vielen spezifischen Segmentpunkten auch Punkte des im Westen wenig bekannten Tendinomuskulären Meridians sowie zusätzlich vermutlich auch Ashi-Punkte. → Die Wirksamkeit der "Sham-Akupunktur" war deutlich höher als für eine echte Plazebo-Akupunktur zu erwarten.
  • Zu einer "richtigen" Akupunkturtherapie gehören neben dem eigentlichen Setzen der Nadeln immer auch eine Erhebung des Gesundheitszustandes und die Stellung einer Diagnose. Diese Chinesische Diagnose wird vor jeder Akupunkturbehandlung "aktualisiert" und hat bei einer Qualitätsakupunktur Einfluss auf die jeweils zu nadelnden Punkte. Dies hat mehrere Effekte für die Studien: Da einheitliche Punktekombinationen schon vor der Behandlung festgelegt waren, konnte die zur richtigen Akupunktur gehörende Anpassung der Therapie nicht erfolgen. → Die Wirksamkeit der "richtigen Akupunktur" war wahrscheinlich niedriger als bei qualitativ hochwertigen Akupunkturen zu erwarten.
  • Auch wenn keine Anpassung der Therapie erfolgen konnte, wurden "Sham-Patienten" teilweise einer chinesischen Diagnose unterzogen. Diese ist aber dem östlichen Therapieverständnis entsprechend Teil der Therapie. → Die Wirksamkeit der "Sham-Akupunktur" war höher als für eine echte Plazebo-Akupunktur zu erwarten.

Bei Migräne sollten viele Patienten umdenken

Kopfschmerzbehandlung
Anfallsartige Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit:Rund zehn Millionen Deutsche leiden unter Migräne und Kopfschmerzen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens und Ärzte und Patienten befinden sich in einem fortwährenden Dilemma. Akupunktur ist hier eine Alternative.
80 Prozent der jährlich 3,7 Milliarden Schmerzmitteldosen in Deutschland werden wegen Kopfschmerzen eingenommen. Diese Medikamente helfen oft nur kurzfristig und die Krankheit besteht weiter, so dass viele Patienten mit ihrer Behandlung unzufrieden sind.
Doch eine dauerhafte Heilung ist möglich darauf verweisen Ärzte der Qualitätsinitiative Akupunktur und appellieren an Kollegen und Patienten umzudenken. “Akupunktur kann eine wirkliche Hilfe für die Patienten sein ohne das Nebenwirkungsspektrum der Medikamente, so einer der Initiatoren,
Dr. Gabriel Stux aus Düsseldorf.
Wissenschaftlich gestützt wird diese These u.a. durch die Gerac-Studie, bei der 1369 Patienten mit Migräne und chronischen Kopfschmerzen in einer kontrollierten Studie behandelt wurden. Verblüffenderweise hatte die Akupunktur mit 11 Anwendungen in nur 6 Wochen eine bessere Wirksamkeit als die prophylaktische, medikamentöse Therapie über 6 Monate. Die Anzahl der Migränetage ging deutlich zurück. “Demnach ist die Akupunktur eine äußerst sinnvolle Alternative zur Schmerzmitteltherapie, urteilt Stux, der seit über 30 Jahren Akupunktur betreibt.
Voraussetzung für den dauerhaften Behandlungserfolg ist allerdings eine Akupunktur nach allen Regeln der Kunst, für die sich Stux und andere Experten der Qualitätsinitiative Akupunktur stark machen. Diese ist ein Zusammenschluss kompetenter Partner und Fachgesellschaften aus dem Bereich Akupunktur mit dem Ziel, hohe qualitative Standards in der Akupunktur zu erreichen.
An Ärzte, die eine hochwertige Qualitätsakupunktur anbieten, vergibt die Initiative ein Qualitätssiegel.

Rückfragen, Fotos & weitere Infos:

Dr. med. Gabriel Stux
Tel. 0211/365383
Stux.Gabriel@t-online.de

Qualitätsakupunktur bei Migräne und Kopfschmerzen

Akupunktur nach allen Regeln der Kunst

Gabriel Stux

In den zurückliegenden Jahren ist eine deutliche Zunahme der Anwendung der klinischen Akupunktur zu verzeichnen. Die Hauptindikationen der Akupunktur sind chronische Schmerzen, in erster Linie Kopfschmerzen und Migräne sowie schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparats.

Die Gerac Studie im Rahmen der Modelluntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen hatte zeigen können, dass Akupunktur der westlichen Standardtherapie sehr deutlich überlegen ist.

Bei Migräne hat die Akupunktur mit 11 Sitzungen in 6 Wochen eine etwas bessere Wirksamkeit als eine westliche prophylaktische medikamentöse Therapie über 6 Monate!

Bei Spannungskopfschmerzen waren die Therapieerfolge ähnlich gut.

Das Resümee von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener des deutschen „Kopfschmerz Papstes“ dazu:

„Die Akupunktur stellt beim chronischen Kopfschmerz eine effektive und risikoarme Ergänzung des therapeutischen Konzepts dar, was eine Anwendung der Akupunktur im Rahmen der schmerztherapeutischen Behandlung rechtfertigt.“

Nach Vorstellung der Chinesischen Medizin liegt bei Migräne und bei Kopfschmerzen eine Blockade im Fließen der Lebensenergie in den Meridianen des Kopfes vor. Mit Hilfe der Nadelung von Akupunkturpunkten kann man die Störung im Fließen der Lebenskräfte dauerhaft auflösen.

Im ersten Schritt analysiert man anhand der Symptome die Art des Störungsmusters, sowohl auf der oberflächlichen, als auch auf der tiefen, inneren Ebene. Aufbauend auf der daraus folgenden Chinesischen Diagnose löst man die Störungsmuster meist dauerhaft auf. Dies erfordert ein differenziertes therapeutisches Setting und nicht nur das einfache Stechen von spezifischen Punkten. Zahlreiche therapeutische Modalitäten sind notwendig, um die Störungsmuster dauerhaft zu beseitigen.

Philosophischen und theoretischen Grundlagen der Akupunktur

Die philosophischen und theoretischen Grundlagen der Akupunktur wurden vor über 2.000 Jahren im Rahmen der antiken chinesischen Medizin formuliert. Im Mittelpunkt dieses Medizinsystems steht die Vorstellung von einer im Körper fließenden Lebenskraft, auch Lebensenergie genannt, chinesisch Qi, auf deren Wirkung alle Lebensäußerungen beruhen. Die Lebensenergie ist in ständigem Fließen, immer in Bewegung, Veränderungen bewirkend. Auch die Funktionen innerer Organe wie Atmung, Verdauung der Nahrung, Immunabwehr, Muskelbewegungen wird von der Lebensenergie hervorgebracht. Ähnlich wie die Flüsse das Land durchziehen, ziehen Energiebahnen, Meridiane genannt, durch den Körper und versorgen ihn mit der lebensnotwendigen Energie. Auf diesen Leitbahnen liegen die Akupunkturpunkte, mit deren Hilfe man die Energieflüsse beeinflussen und regulieren kann.
Wenn man gesund ist, fließt die Lebensenergie in Harmonie, die Funktionen der Organe sind kräftig und ungestört. Krankheiten sind nach chinesischer Vorstellung auf eine Störung im Fließen der Lebensenergie Qi zurückzuführen, entweder liegt eine Schwäche oder eine Fülle der Lebenskräfte vor. Auch Blockaden im Lebensenergiestrom können vorliegen, die zu Schmerzen, beispielsweise zu Migräne führen.
Im Mittelpunkt der Therapie steht die Regulierung der Lebenskraft Qi, die Lebensenergie des Patienten. Qi ist die Vitalität, die Lebenskraft, ein vom Therapeuten direkt erfahrbares und so diagnostizierbares Phänomen. Akupunktur ist eine „Heilkunst mit Energie“, man spricht auch von einer energetischen Akupunktur.
Die Nadelung der Akupunkturpunkte hat eine harmonisierende Wirkung, Fülle wird gedämpft, Schwäche angeregt und Blockaden z. B. bei Migräne gelöst, so daß ein ungestörtes harmonisches Fließen des Qi gefördert wird.

Akupunktur nach allen Regeln der Kunst

Nur eine qualitativ hochwertige Akupunktur nach allen Regeln der Kunst ermöglicht bestmögliche Therapieergebnisse.
In der Qualitätsinitiative Akupunktur haben sich Akupunkturgesellschaften mit anderen kompetenten Partnern zusammen getan, um sich für eine gesicherte Qualität in der Akupunktur und damit eine bestmögliche und hochwertige Akupunkturtherapie zu engagieren. Im Fokus steht dabei das Interesse, Akupunktur nicht auf das symptomatische Stechen von Nadeln zu reduzieren, sondern die Gesamttherapie im Kontext der Chinesischen Medizin zu sehen und für Patienten und Laien verständlich zu machen. Ein Qualitätssiegel wird an die Ärzte verliehen, die über eine gute Ausbildung und fundierte Erfahrung verfügen. Mit diesem Qualitätssiegel können Ärzte signalisieren, dass ihre Akupunktur mehr ist als nur einfaches symptomorientiertes Nadelsetzen.
Gemäß dem Konsensuspapier zur Qualität der Akupunktur der Qualitätsinitiative Akupunktur stehen dabei u. a. die Chinesische Diagnose, die Regulierung der Lebensenergie Qi, der Therapieplan und spezifische Behandlungsmodalitäten im Vordergrund. Für eine Qualitätsakupunktur wurden von der Qualitätsinitiative Akupunktur Leitlinien und Therapiestandards formuliert.

Chinesische Akupunktur ist eine Kunst

Akupunktur ist eine medizinische Kunst, die in China vom Lehrer an den Schüler weitergegeben wurde. Sie ist ein Teilgebiet eines ganzheitlichen Medizinsystems, das die Vorstellung einer fließenden Lebenskraft in den Mittelpunkt stellt, deren Störungen Gesundheitsstörungen und Krankheiten verursachen.
Ein guter Künstler braucht nicht nur die Farbe und einen geübten Pinselstrich für ein gutes Kunstwerk. Intuition und Inspiration ist neben einer gut erlernten Technik essentiell. Voraussetzung ist hier zunächst die Anleitung durch einen erfahrenen Akupunkturpraktiker. Chirurgie ist auch nicht aus dem besten Lehrbuch oder aus guten Vorlesungen zu erlernen, sondern wird von einem erfahrenen chirurgischen Lehrer vermittelt. Um das intuitive Erfassen von energetischen Störungsmustern zu erlernen sind deutlich mehr als 200 Stunden Ausbildungsdauer erforderlich.
Die Akupunkturtherapie der Migräne betrachtet man bei Migräne nicht als Prophylaxe, wie die prophylaktische Gabe von Medikamenten, sondern sie zeigt in vielen Fällen ist eine dauerhafte Heilung. Akupunktur ist nicht vergleichbar mit der Gabe von einem Medikament, also ist sie nicht mit der „Gabe“ von 10-20 Nadeln vergleichbar.
10% der niedergelassenen Ärzte praktizieren Akupunktur; 40% der niedergelassenen Orthopäden, 36% der Allgemeinmediziner behandeln mit Akupunktur in der Praxis. 6-7 Millionen Patienten haben sich im Rahmen der Modellvorhaben der gesetzlichen Krankenkassen in den vergangenen 5 Jahren mit Akupunktur behandeln lassen. Die Zahl der Akupunktursitzungen wird auf 15-20 Millionen im Jahr geschätzt. 250-300 Millionen Euro wurden jährlich dafür ausgegeben, dies sind lediglich 1% der Aufwendungen für Arzneimittel oder 1 1,5 Promille der gesamten Gesundheitskosten.